Das Essen komplett verlernt…
Ich habe angefangen, nicht mehr zu frühstücken. Das hat prima funktioniert. Bis ich angefangen habe, das Essen mehr und mehr hinaus zu zögern. Irgendwann war es dann für mich normal, das erste Mal um 21.00 Uhr zu essen. Darauf habe ich mich den ganzen Tag schon gefreut. Tagsüber habe ich nur Wasser und Kaffee getrunken, mir dann beim Abendessen auch mal was gegönnt.
Ich selber habe gar nicht gemerkt, daß ich so schnell abnehme, doch meine Freunde und Bekannte und auch meine Familie haben mich darauf angesprochen. Manche mit Neid, andere mit Sorge. Aber das hat mich nur genervt. Trotz meiner dünnen Arme und Beine und der hervorstehenden Rippen fand ich mich noch zu dick. Schließlich habe ich auch das Abendessen eingeschränkt, jede Kalorie gezählt, die ich gegessen habe und mir nur etwas erlaubt, wenn ich tagsüber genug Sport getrieben hatte. Ich nahm immer mehr ab. Meine Hosen rutschten von der Hüfte, mein Gesicht wurde ganz schmal, alles war weniger, war dünner. Und Dünner war Besser! In dieser Zeit zog ich mich immer mehr zurück. Meine Freunde interessierten mich nicht mehr. Es gab nur noch mich und die Waage. Nichts machte mir mehr Spaß, alles wurde anstrengend. Immer öfter fragte ich mich, ob ich noch leben will. Immer öfter wurde ich angesprochen. Ich versprach, mehr zu essen. Aber gemacht habe ich es natürlich nicht. Die Stimme in meinem Kopf hat das nicht mehr zugelassen. Ich wollte einfach nur einschlafen und nie wieder aufwachen. Das Kalorienzählen wurde zur Besesseneheit. Und trotzdem fühlte ich mich zu dick. Ich sehe die Sorge in den Augen der anderen, aber ich kann sie nicht verstehen. Immer wieder habe ich versucht, wieder mehr zu essen, manchmal habe ich es sogar geschafft. Aber dann habe ich mich furchtbar schlecht gefühlt, Angst bekommen, vor allem die Angst. Die Angst, dick zu werden. Eine Freundin hat mich dann in die Beratungsstelle geschleppt. Erst war ich sauer, aber dann habe ich gemerkt, daß ich so nicht mehr weiter machen kann.