Der Anfang ist gemacht
Irgendwann nahm ich zu, wie die anderen Mädchen auch. Aber Gott was musste ich mir alles anhören? Wie schämte ich mich plötzlich für diesen Körper, der nicht mehr Kind war?
Ich wollte keine Frau sein, schon gar keine wie meine Mutter, schon gar keine, die angeschaut wird von Männern. Ich hab mich plötzlich in einem anderen Licht gesehen, es kamen Männer und sie widerten mich an, genau wie diese Frauenrolle. Als mein Vater mich anschrie und genau diese Kilos, diese Weiblichkeit vor allem ständig herausstellte, beschloss ich aufzuhören mit dem Essen.
Monate habe ich nur noch getrunken, wollte niemanden sehen. Ich verlor mich und etliche Kilos, bis ich nicht mehr in die Schule konnte. Dann musste ich essen unter Aufsicht. Danach hab ich wieder abgenommen – hin und her. Ich bin dann von zu Hause weg und hab einen Hunger mitgenommen, die Bulimie. Mit der war ich 3 Jahre noch einsamer. Schule – Arbeit – Essen – Kotzen. 7 Tage die Woche. Ich war nicht mehr ich.
Irgendwann war ich zu schwach zum Laufen und der Wind hat mich vom Fahrrad geweht. Ich wollte so nicht mehr leben und zu verlieren hatte ich schon lange nichts mehr. Ich begann eine Therapie. Nun arbeitet es in mir und vielleicht wird es gut irgendwann, aber ich bin nun nicht mehr ganz alleine und habe schon wieder ein paar gute Tage.
Das ist nicht viel auf ein Leben gerechnet, aber ein Anfang. Mein Anfang.